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Haus Pesch - Nie ein berühmter Adelssitz im Düren-Jülicher Land PDF Drucken
Dienstag, den 08. April 2008 um 09:49 Uhr

Haus Pesch hat nie zu den großen berühmten Adelssitzen des Düren-Jülicher Landes gehört. Seine Besitzer haben in der Geschichte des Herzogtums Jülich keine Spuren hinterlassen wie etwa die von Müllenark oder die von Merode. Der Name „Pesch“ ist aufgrund seiner sinnhaften Bedeutung (ursprünglich Lagebezeichnung für ‘Waldweide’, später ‘eingezäunte Wiese beim Haus’) so häufig, dass die vielen urkundlichen Nennungen beim besten Willen nicht genau zuzuordnen sind. Um den Ursprüngen des Hauses Pesch dennoch näher zu kommen, sind wir auf Vermutungen und Wahrscheinlichkeiten angewiesen, die aber wohlbegründet sein könnten. Dazu müssen wir uns zuerst ein wenig mit Pier und Bonsdorf befassen.

Werden die Ortsnamen Pier, Pommenich und Vilvenich als römischen Ursprungs gedeutet, so scheint Bonsdorf ein typisch fränkischer, auf eine Person bezogener Ortsname (Bonisdorp ?) zu sein, der sicher bereits im 7. Jahrhundert existierte. Das Dorf Bonsdorf war klein, es umfasste den Bereich der heutigen Jakobstraße und der Bonsdorfer Straße. Zur Pfarre gehörte aber auch Krauthausen, jenseits der Rur. Der heutige Markt in Pier bildete nicht nur ein gemeinsames Zentrum, sondern markierte gleichzeitig auch die Grenze beider Orte. Die beiden Pfarrkirchen mit ihren Kirchhöfen lagen gerade mal 100 Meter voneinander entfernt.

Haus Pesch PierBei Grabungen in der Pierer Kirche fand man 1955 ein fränkisches Reihengräberfeld des 6./7. Jahrhunderts. Darüber entstand bereits gegen Ende des 7. Jahrhunderts eine dreischiffige Holzkirche. Die Christianisierung ist wohl an die Familie der Gutsherrin Cheldofrida geknüpft, deren Grabstein gefunden wurde. Ein Urkunde von 922 berichtet u.a. über eine Schenkung , durch die die Pierer Kirche als ursprünglich fränkische Eigenkirche dem St. Ursula-Stift in Köln und damit dem Erzbischof unterstellt wird. In dieser Urkunde geht es auch um den Wildbann, also die Forstrechte, für den Raum Pier-Merken. Ein Teilstück, das unter dem Namen „Pesche“ erscheint, bezieht sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf Haus Pesch, wo sich wohl die entsprechende erzbischöfliche ‘Försterei’ befand.

Die Besitzungen des Erzbischofs gehen in den Kämpfen um territorialen Besitz und damit um politischen Einfluss im Laufe der folgenden Jahrhunderte an die Herzöge von Jülich über. So ist in einer kirchlichen Güteraufzeichnung von 1676 das Patronat von St. Maria in Pier beim Herzog von Jülich, das von St. Ursula in Bonsdorf beim Haus Pesch. Das Patronatsrecht des Hauses Pesch über Bonsdorf ist für genau 500 Jahre urkundlich belegt, von 1306 bis zur Auflösung der Pfarre im Jahre 1806. Die Gründung der Kirche reicht aber viel weiter zurück, vielleicht bis in die frühfränkische Zeit. Dafür spricht nicht nur der Fund eines römischen Matronensteins, den man 1844 beim Abbruch der Bonsdorfer Kirche fand und der als Unterlage des Altartisches gedient hatte, sondern auch die Tatsache, dass St. Lambertus entweder der ursprüngliche Pfarrpatron oder zumindest gleichzeitig mit St.Ursula Patron war. Lambertus war in vorkarolingischer Zeit in unserer Gegend tätig; an Orten mit noch heidnischer Bevölkerung als Missionar, ansonsten als Organisator der frühen christlichen Gemeinschaften.

Weiterführende Literatur und Quellen:

  • Clemen, P., Kunstdenkmäler der Rheinprovinz; Hartmann, P. u. Renard, E., Kunstdenkmäler des Kreises Düren, Düsseldorf 1910, S.300-302
  • Jahrbuch d. Vereins der Altertumsfreunde im Rheinland, Doppelheft XXXIX und XL, Bonn 1866, S. 195 ff
  • Meyer, A., Alte Burgen des Dürener und Jülicher Landes, Düren 1934, Sonderdruck aus dem Westdeutschen Beobachter, S. 157 ff
  • Tichelbäcker, H., Pier - von Cheldofrida bis zur Abraumhalde, in: Dürener Geschichtsblätter Nr. 78, Düren 1989,Hrsg.: Dürener Geschichtsverein, S. 55 ff
  • 1100 Jahre Pier, Festschrift zur 1100-Jahrfeier Pier vom 8.-18. Juni 1973
  • Dorf unter dem Mantel der Mutter, Festschrift zur Kirchweihe in Pier, Pier 1959
  • Gemeinde Inden, Bestand: Baudenkmale, Akte Nr. 30
  • mündliche Überlieferung, Mitteilung von Pfr.i.R. Johannes Thönißen
 

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